Bratislava II

Nachdem der als Schwimmausflug in die Historie des Passauer Lacrosse Vereins eingegangene Trip nach Bratislava am Sonnabend, dem 17. Oktober, jäh durch die Tiefe des Nichtschwimmerbeckens abgebrochen werden musste, unternahm man am vergangenen Wochenende einen erneuten Versuch, in der Danube Lacrosse Conference (DLC) die wohlverdiente Führung an der Tabellenspitze in der Slowakei zu verteidigen. Es stand der dritte und wohl letzte Spieltag an, und an diesem Sonnabend konnte zur Erleichterung der drei beteiligten Teams Bratislava Tricksters, den Monarchs aus Wien und den Akteuren des Passauer Lacrosse Vereins wirklich die Kugel fliegen.



Bratislava und Wien beim Face-Off

Begonnen hatte alles im Morgengrauen des 23. Oktobers, um halb sechs, als eine gute Handvoll hochmotivierter Passauer die Reise in die Slowakei antrat. Etwa viereinhalb Stunden und einige U-Turns später erreichte man schlussendlich die Sportstätte der Tricksters, nachdem doch vermehrt einheimische Hilfe zur Orientierung in den gut gepflasterten Strassen der slowakischen Hauptstadt gebraucht wurde. Dank gebührt an dieser Stelle Florian Walther, der keine Mühe scheute die Kolonne informationsmässig auf dem laufenden zu halten.

 

Nachdem das erste Spiel zwischen den Monarchs und Bratislava bei immer noch schwierigen Platzbedingungen mit einem eindeutigen Sieg (0:6) der Wiener geendet hatte, begann auch für den PLV das Spielgeschehen. Von Beginn an zeigten die Passauer gegen die Tricksters eine konzentrierte, später gegen Wien gar eine beeindruckende Leistung und liessen nicht den leisesten Zweifel, den in diesem Jahr zum ersten Mal ausgespielten Titel des DLC-Meisters die Donau wieder hinauf nach Passau mitnehmen zu wollen.

Angetrieben von dem gewohnt starken und dieses Mal einzigen Longstick Florian Klaus erarbeitete sich die Mannschaft der Passauer im ersten Spiel gegen Bratislava zahlreiche Möglichkeiten vor dem gegnerischen Tor, während die Defensive durch die insgesamt sehr kontrollierte Offensive der Slowaken vor keinerlei Probleme gestellt wurde. Kam doch ein Schuss auf das Tor der Passauer, zappelte die Kugel alsdann wie ein geköderter Fisch im Stick des überraschend im Tor stehenden Andreas Kempf, der diese Aufgabe nach Absprache vor dem Spiel in den zweiten zwanzig Minuten nach einer beruhigenden 7:0 Führung zur Halbzeit an Florian Klaus übergab. Am Ende des ersten Matches stand nicht nur die Erkenntnis die bemühten aber aufgrund fehlender Erfahrung klar unterlegenen Tricksters mit 15:0 geschlagen zu haben, sondern auch eine Teambilanz der Passauer, die sich durchaus sehen lassen konnte. Jeder einzelne Spieler hatte getroffen, und die zusammen gezählten Treffer und Vorlagen aller beteiligten Flos übertrafen wohl jede vorher dagewesene ?Flo-Scorer-Bilanz? des PLV.

 

Wer nun allerdings dachte, eine solche Vorstellung würde sich gegen das unmittelbar folgende Spiel gegen die Monarchs nicht wiederholen lassen, der irrte sich gewaltig. Zwar ist es kein Geheimnis, dass Passau gerade in vergangenen Zeiten Schwierigkeiten hatte, Leistung einer solchen Qualität zu konservieren, doch in Gedenken an den leider abgewanderten Passauer Spielertrainer Sascha Bruss muss gesagt werden, dass der Teamgeist und der Wille der Passauer an diesem Tag unbeugsam waren.

Ein jeder Slowake und sonst angereister Zuschauer rieb sich ungläubig die Augen ob des nun folgenden Spiels; die Ausgangslage hingegen konnte offensichtlicher nicht sein. Es musste ein Sieg gegen den härtesten Konkurrenten und Tabellennachbarn her, um keine Zweifel an der DLC-Inthronisierung, die zu erreichen der PLV im Begriff war, aufkommen zu lassen und ungeschlagen die Saison entlang der Donau zu beenden. Und so sollte es letztendlich auch kommen.



Martin Kröhnert

Doch der Reihe nach; es begann furios, denn schon nach wenigen Momenten gelang Florian Appel die Führung zum 1:0, unmittelbar darauf folgend Florian Klaus durch einen no-look-Gewaltschuss in den linken oberen Winkel das 2:0. Davon allein liessen sich die Wiener jedoch noch nicht gänzlich beeindrucken, sie kämpften sich auf ein 2:2, dann 3:3 heran und es roch nach einer ausgeglichenen Partie, die zu gewinnen und doch noch zubestimmen ein althergebrachtes des PLV sein mag. Allerdings nicht an diesem Tag, es folgten die besten 30 Minuten der Passauer seit langer Zeit, deren Zwischenbilanz ein 6:3 zur Halbzeit aufzeigte. Nun waren sie nicht mehr zu bremsen, nie hatte man eine Passauer Mannschaft so auf den Wiederanpfiff drängen sehen wie an diesem Sonnabend. Ein jeder Passauer stellte sich derartig in den Dienst der Mannschaft, dass wohl jedem Gegner an diesem trotz Bewölkung so sonnigen Tag Hören und Sehen vergangen wäre. Kennzeichnend hierfür sei bei aller Raffinesse und Klasse der ganzen Mannschaft (belegt durch ca. 90% gewonnene Face-offs sowie grossartige Defense und eindrucksvolle Überlegenheit bei Groundballs) die Leistung des erst seit diesem Jahr aktiven Martin Kröhnert herausgehoben. Er kröhnerte sein Spiel indem ihm allein gegen Wien vier Tore gelangen, teilweise abgebrüht wie es selbst Oli ?van Nistelrooy? Köppen nicht besser hätte machen können, der an diesem Tag ebenso wie die etatmässigen Angreifer des Teams Jürgen Eckel und Michel v. Falkenhausen sowie Defense-Ass Patrick Owerdieck aus wichtigen persönlichen Gründen nicht dabei sein konnte, jedoch als Ausgleich nächsten Dienstag das Training anmoderieren wird. Als die guten Referees von den Tricksters nach 40 Minuten den finalen Pfiff ausstiessen, zeigte das imaginäre Scoreboard ein 13:5 für den PLV, und somit hiess und heisst es immer noch: DLC Champion 2004 ist der Passauer Lacrosse Verein!



James, Flo Appel und Klaus

Als kleine Randnotiz sei noch erwähnt, dass der trotz aller Bemühungen und an Gestikulationsreichtum unübertroffene slowakische Platzwart bei dem Versuch uns die wohlverdiente Dusche aufgrund des folgenden Fussballspiels in der slowakischen Kreisklasse zwischen zwei unaussprechbaren Mannschaften streitig zu machen, erstens wenig Erfolg (nun ja, er erreichte zumindest zeitweiliges duschen von bis zu fünf Lacrossern unter einer Dusche, Sportlerherz, was willst du mehr!!!) erzielte, und zweitens das anschliessende Spiel ein mageres 0:0 brachte. Nun soll noch einer fragen, was wohl die attraktivere Sportart ist!



Essen und Grillen nach dem Spiel

Dieser letzte Spieltag war eine Augenweide für den geneigten Lacrosse-Zuschauer und -Spieler, weshalb jedem der nicht dabei sein konnte oder wollte tiefes Bedauern und Mitgefühl ausgedrückt werden muss. Im Gegenzug gilt der herzlichste Dank den Ausrichtern aus Bratislava und allen aktiv sowie zuschauend teilnehmenden. Aber wie hoch ein solcher Tag auch zu bewerten sein mag, wer um Wiederholung von Seiten des PLV bemüht sein will, und das wird jeder sein der an diesem Sonnabend das ?grosse Tennis? miterlebt hat, der wird erkennen, dass ständiger und guter Besuch des Trainings der wichtigste aller Bausteine des Erfolges ist. In diesem Sinne Glückwunsch an die Meistermannschaft, eine gesunde Restsaison und ein hoffentlich an diese Leistung anküpfenden SDLL-Spieltag in München.

 

Ein Bericht von James Stange

 

Das Team des PLV am 3. Spieltag in der DLC:

Florian Klaus (C); Florian Appel; Andreas Kempf; Klaus Kempf; Martin Kröhnert; Florian Walther; Gordon Bolduan; James Stange