Ljubljana

Samstag, den 29.10.2005, 3:40:

Gnadenlos klingelt der Handywecker mit einer Melodie, die ich noch heute verfluche wenn ich dran denke. Warum müssen wir schon wieder aufstehen? Sind doch grad erst vor guten 3 Stunden ins Bett gegangen. Hätte der verfluchte Zug halt nur keine Stunde Verspätung gehabt, dann wären wir jetzt schon fit. Allerdings denke ich mir jetzt gerade als ich mich im Zimmer umsehe, dass es sich gelohnt hat auf den Zug zu warten. In der Lacrosser-Notunterkunft im Dachboden der Familie Kempf liegen außer mir noch Lee aus Bamberg und sein ?Pet Monkey? Kyle. Nachdem wir letztes Wochenende festgestellt hatten, dass Lee auch partymäßig sehr gut ist, sollte er an diesem Spieltag den Angriff um den Achspunkt Oli van Nistelroy verstärken. Leider stellte sich unter der Woche heraus, dass Oli wegen anderen Verpflichtungen, wie zum Beispiel Schnitzel und Sachertorte Essen, am Samstag in Wien weilen würde. So stand mit der Zusage von Lee fest, dass wir zumindest einen Attacker im Gepäck hatten. Bei Kyle handelte es sich, wenn man Lee glauben durfte um ein ?drinking animal? oder auch seinen ?personal pet monkey?. Doch auch wir stellten später fest, dass Kyle sehr nützlich war.

Kurz nach vier kamen Martin und Andrew zu der Kempf?schen Villa und nachdem alles im Sprinter verstaut war konnte es losgehen. Noch schnell die Trophäe zwischen Fahrer und Beifahrer auf dem Sitz angeschnallt und dem lustigen Trip nach Ljubljana konnte nichts mehr im Wege stehen. Unsere spektakuläre Neuverpflichtung aus Düsseldorf Martin ?Stegi? Stegmeier, die wir noch kurz vor Schließung der Transferliste erwerben konnten, durfte natürlich nicht fehlen und so wurde er auch noch schnell aufgepickt.

Nach knapp vier Stunden Fahrt und etlichen Spezis und Leberkäsesemmeln mit ausgiebig Senf kamen wir dann an die österreichisch-slowenische Grenze. ?Gebt mir mal bitte alle eure Ausweise, weil wir gleich an der Grenze sind?, warf ich mal so in die Runde. Daraufhin bekam ich allerdings nur sechs der sieben erhofften Papiere. Unser ?World of Warcraft?-Krieger Andrew musste anscheinend vergessen haben, dass zusätzlich zu dem Orkland auch noch Österreich und Slowenien existierten. Der ganze Geldbeutel lag noch in der heimischen Ilzleite. So war auch die Hoffnung auf den Führerschein als Ersatz dahin. Zahlreiche Ausreden wurden auf die Schnelle überlegt, doch keine erschien uns auch nur annähernd plausibel genug um einen Zöllner überzeugen zu können. Andrew sollte an der Grenze zurück gelassen werden und wir würden die drei Spiele dann halt ohne Verteidiger und Auswechselspieler überstehen. Welche Aufgaben wir in der Zeit für Andrew vorgesehen hatten, bleiben ein Geheimnis der Mitfahrer. 

Doch welche ein Glück, dass der österreichische Zöllner anscheinend zu diesen frühen Stunden das Zählen der Personen in einem Kleinbus scheute und uns nach einer kurzen Kontrolle passieren ließ. Gottseidank wurde zumindest von den Slowenen bei der Einreise auf eine Kontrolle verzichtet und so hatten wir schon mal sieben Spieler im fremden Land.

Nach knappen fünf Stunden Fahrt kamen wir dann im Zentralstadion von Ljubljana an. Der Fahrer hatte zu diesem Zeitpunkt schon gehörig an Aggressionen getankt und versuchte seine Mitfahrer durch ständiges Fluchen auf denselben Gemütsstand zu bringen.

Das Stadion war vor 30 Jahren bestimmt einmal sehr modern gewesen, wenn auch die Säulen auf der Ehrentribüne eher an ein römischen Kolloseum als ein slowenisches Fußballstadion erinnerten. Die Plastikschalensitze schienen ihre beste Zeit noch nie gehabt zu haben und unten am Rasen versuchten vier Leute verzweifelt Linien auf den feuchten Rasen zu bringen und aus einigen Aluminiumrohren und kaputten Netzen zwei regelkonforme Lacrossetore zu bauen. Wir wurden in der Zwischenzeit von Stehtoiletten ohne Toilettenpapier geschockt und als wir in der größten Not schon zur Küchenrolle greifen wollten, bekamen wir doch noch den wichtigen Hinweis, dass bei den Spielerkabinen westliche Toiletten mit Papier auf uns warteten. Ein Glück, dass wir nicht nur Zuschauer in dem Stadion waren.

Kyle wurde sofort als menschliche Alarmanlage auserkoren und bekam die Aufgabe, den ganzen Tag im Sprinter zu schlafen um einen Diebstahl zu vermeiden.

Als es die Gastgeber (später stellte sich raus, dass im kompletten slowenischen Team nur ein Slowene spielte) es endlich geschafft hatten einigermaßen reguläre Tore zu basteln konnte es schon für uns gegen Bratislava losgehen. Merklich müde von der Fahrt und mit einigen Unkonzentriertheiten in Angriff und Abwehr konnten wir zwar einen ungefährdeten Sieg landen, jedoch musste sich fürs kommende Spiel gegen den ärgsten Rivalen aus Ljubljana einiges ändern um die Trophäe wieder mit nach Hause zu nehmen.

Doch schon das darauf folgende Spiel Ljubljana-Bratislava zeigte uns, dass es an diesem Tag der Lacrossegott gut mit Passau meinte. In einem Spiel in dem wir eigentlich nach dem Knackpunkt in der gastgebenden Mannschaft suchen wollten, ging Bratislava nach 40 Minuten mit 7:6 als Sieger hervor. So stand fest, dass uns in den verbleibenden zwei Partien gegen Ljubljana und Graz ein Unentschieden zur Titelverteidigung reichen würde.

Im Spiel gegen die slowenische Mannschaft gingen wir dann von Anfang an konzentriert zu Werke, und als wir durch jeweils zwei Tore von Lee und Flo und einem von Martin K. mit 5:0 vorne lagen, lagen die Nerven bei den Gegnern schon blank. Die Mannschaft bestand wie bereits erwähnt aus einem Slowenen, einem Briten, der die Mannschaft dort gegründet hatte und etwa 15 Amerikanern, die teilweise dort stationiert waren, oder aus Aviano/Italien angereist waren oder sogar den Weg von Stuttgart bzw. Heidelberg nicht gescheut hatten. Allein der Torwart war zu seiner Collegezeit vier Mal All-American und sozusagen ein klein wenig erfahrener als unsere Katze zwischen den Pfosten Andi. Vor dem Halbzeitpfiff begann Ljubljana sich noch mal aufzubäumen und so ging es mit einem 5:3 in die Pause. Wir wussten, dass wir nicht schlechter geworden waren, allerdings wurde der Kräfteverschleiß bei einem Auswechselspieler und einem sehr intensiven Spiel immer sichtbarer. Nach der Pause nahm das Unheil seinen Lauf, durch leichte Unaufmerksamkeiten und einem grandiosen gegnerischen Torhüter lag Ljubljana auf einmal mit 7:5 in Führung. Die Mannschaft gab nochmals alles und als Flo zwei Minuten vor Schluss den erneuten Ausgleich schoss, schien alles auf ein Unentschieden rauszulaufen, doch durch eine der vielen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen musste Passau eine Minuten in Unterzahl spielen und bekam dann den entscheidenden Treffer. Lee scheiterte in den letzten Sekunden dann noch am glänzend parierenden Torwart und so kassierte unser Team die erste Niederlage jemals in der DLC.

Doch wir ließen die Köpfe nicht hängen und wussten, dass unsere Pflichtaufgabe ein Sieg gegen Graz sein würde. In einem Spiel, in dem man beiden Mannschaften die Strapazen von drei Spielen an einem Tag anmerken konnte, wurde der entscheidende Sieg eingefahren. Besonders anzumerken ist, dass in diesem Spiel jeder der Offensivspieler mindestens ein Tor zum Sieg beitrug, Stegi das erste Pflichtspieltor für seinen neuen Verein schoss und Martin Kröhnert, der hier endlich richtig aufgewacht war, als vierfacher Torschütze glänzte.

Nach dem Spiel, ein paar Bieren und der verdienten Dusche ging es für die deutsche Delegation wieder zurück um den treuen Fans den Pokal zu präsentieren. Blieb noch das Problem mit unserem illegal eingereisten Verteidiger. Doch auch die slowenischen Zöllner schienen uns an diesem Tag wohlgesinnt zu sein und ließen uns ohne durchgezählt zu haben die Grenze passieren.

Daheim angekommen wurden wir bei unserer Frau Damenvorstand Caro empfangen. Bereits dort wurden die Geschichten des Tages nochmals erzählt und die Meisterschaft mit einigen Flaschen Prosecco gefeiert. Danach zogen die Anwesenden in das Nachtleben von Passau, das bei einigen früher bei anderen viel später endete.

 

Für Passau spielten

Appel Flo (C) ? Bromba Andrew - Kempf Andi ? Kempf Klaus ? Kröhnert Martin ? Stegelmeier Martin ? Whitfield Lee