SDLL 1.Spieltag

Es war naß. Es war kalt. Das zeichnete den ersten Spieltag in der Süddeutschen Lacrosse Liga (SDLL) aus, der am 1. November in Neubiberg, München stattfand. Manche Passauer Spieler beschönigten das Tief Klaus zu Fritz-Walter-Wetter, wie es in dem gerade laufenden Kinofilm "Das Wunder von Bern" zu hören ist.

 

Solche Wunder gab es in Neubiberg nicht.

 

Vor dem Spiel gegen die Spielvereinigung aus Stuttgart und Heidelberg waren die Bedingungen noch gut.

 

Florian Kriependorf übernahm am Spielfeldrand die Rolle des Trainers, die er für die zweite Mannschaft der Hamburg Warriors offiziell ausübt. Christoph Boeminghaus war aus Bonn angereist, um die Garde der Longsticks zu erweitern.

 

Stuttgart-Heidelberg hatte das vorherige Spiel gegen München verloren, war somit bereits angeschlagen und galt als erschöpft. Davon merkten die Zuschauer aber nichts, denn es spielte unbekümmert auf und verteidigte forsch. Passau tat sich schwer damit und ein respektvolles Abtasten begann. Schließlich fasste sich Florian Appel auf der Pasauer Seite ein Herz und beendete seinen beherzten Alleingang über das halbe Feld mit einem Treffer. Aber auch die zwei nachfolgenden Tore von Passau fanden ihre Antwort in Gegentreffern seitens Stuttgart-Heidelberg. Die Partie blieb spannend. Jedoch Passau und ganz besonders Florian Kriependorf behielten die Zuversicht. Kriependorf ordnete die oft geübten Spielzüge an, um sich so absetzen zu können. Das wirkte. Zwar führten sie nicht direkt zum Torerfolg, aber sie gaben der Mannschaft Halt und Selbstvertrauen. Gerade letzteres fehlte etwas, nachdem sich Spielertrainer Sascha Bruss verletzt hatte und ausgeschieden war. Der Knoten war nun geplatzt und Passau spielte auf. Klaus Kempf durchquirlte das Mittelfeld, traf oder versorgte die Angreifer mit verwertbaren Pässen. Sein Bruder Andreas Kempf tat es ihm gleich. Den Face-Off dominierte Florian Helling und zeigte mit sicheren Antritten und Übersicht, dass seine Nachnominierung für die deutsche U-21 Nationalmannschaft keine Notlösung gewesen war. Benjamin Raczek erkannte das breite Lächeln von Oliver Köppen über seine ungewohnte Freiheit, der Assist folgte, Köppen vollendete ebenfalls lächelnd. Das Endergebnis lautete 7:3 für Passau, neben den bereits genannten hatten sich auch Jürgen Eckel und Michael von Falkenhausen bei den Torschützen eingereiht.



Björn Schiffbauer im Training

Nach einer halbstündigen Pause ging es weiter. Kriependorf und Böminghaus befanden sich bereits auf dem Heimweg, Sascha Bruss bangte im Krankenhaus der Diagnose entgegen und ein sichtlich gezeichnetes Passau trat gegen den Erzrivalen München an. Jetzt trat Nationalspieler Jürgen Eckel in den Vordergrund. Vor dem Spiel appellierte er an seine Mitspielern und forderte, die letzten Reserven zu mobilisieren: "Das ist jetzt ein SDLL-Spiel. Ein Spiel gegen München. Vergesst die Erschöpfung, gebt alles." Er nannte auch das Wort, das man in Passau so hasst: "Aufwachen!" Aber es wirkte. Der Aufbau sah besser aus, die Passauer Spieler kämpften. Die Pässe waren noch ein Unsicherheitsfaktor, der gerade jetzt gegen die starken Münchner schmerzte. Passau begann die Bälle nach vorne zu tragen, was noch mehr an den Kräften zehrte. Besonders die Verteidiger Patrick Owerdieck und Florian Klaus waren sich für lange Wege nicht zu schade. Allerdings blieben die erfolgreichen Versuche oft unbelohnt, da München seine stärkste Besetzung in der Verteidigung aufbot. Sie schaffte es, das Zusammenspiel von Passauer Mittelfeld und Angriff erheblich zu stören. Dennoch gelang es Jürgen Eckel zu treffen. Auch das Dilemma in Mittelfeld erkannte er und forderte: "Kurze, knackige Pässe". Auf diese Weise gelang auch das sehenswerteste Tor gegen München. Wieder war Eckel daran beteiligt. Lautstark bewirkte er erst einen Richtungswechsel im Zuspiel. Dann erhielt er den Ball auf dem linken Flügel, umlief das Tor von hinten und gab den perfekten Pass für den heran sprintenden Florian Klaus, der sich mit einem sehenswerten Quickstick bedankte. So einfach, so schön kann Lacrosse sein. Dennoch reichte es nicht für einen Sieg. München zog davon und entschied die Partie deutlich mit 9:2. Jürgen Eckel hatte das Spiel verbal begonnen, er beendete es auch: "Wir haben uns nicht schlecht verkauft. Wir müssen aber sicherer passen. Das muß jeder von uns üben ? an der Wand, im Training. Dann sieht es das nächste Mal ganz anders aus." Ein versöhnendes Schlusswort.

 

Ein Wunder gab es allerdings doch: Björn Schiffbauer, der neue Mann im Passauer Tor, zeigte eine herausragende Leistung. Er wehrte nicht nur gefährliche Schüsse mit Stick und Körper ab, er bewies auch Spielübersicht mit intelligenten Pässen und gab klare Kommandos. Alles das also, was man von einem gestandenen Torwart erwartet, aber nicht von jemandem, der erst seit drei Wochen im Kasten steht. Sicherlich lag dies nicht nur am Schiffbauer-Wetter. (gob)